Naturschutz

Im Gebiet Wolayersee und Umgebung kommen auf 85 % der Fläche Natura 2000 relevante Lebensräume vor. Manche dieser Lebensräume sind in Österreich sehr häufig, wie z. B. Latschengebüsche oder Bürstlingsrasen, diese sind jedoch europaweit betrachtet sehr selten und gefährdet. Neben Fels- und Schuttlebensräumen nimmt das natürliche und naturnahe Grasland mit genutzten Almweiden, insbesondere Magerweiden einen großen Anteil ein. Dem beweideten Blaugrasrasen wird im Gebiet ein ausgezeichneter Erhaltungsgrad attestiert. Weitere Besonderheiten mit europaweiter Relevanz sind der Skabiosenscheckenfalter, der Alpenbockkäfer und die Alpenmannstreu. Eine floristische Besonderheit ist die Alpen-Mannstreu.

Die einheimische Bevölkerung und die BewirtschafterInnen sind stolz auf das Europaschutzgebiet Wolayersee und Umgebung. Es soll für alle Menschen zugänglich sein und bei gegenseitiger Rücksichtnahme und Respekt für unterschied- liche Nutzergruppen erlebbar und nutzbar bleiben.

Natura 2000 Schutzgüter im Europaschutzgebiet Wolayersee

Alpenbock
(Rosalia alpina)
Frauenschuh
(Cypripedium calceolus)
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Skabiosen Scheckenfalter 

In Österreich konnte die Art noch Mitte des 20. Jahrhunderts auf fast allen feuchten Wiesen gesichtet werden. Die meisten Tiefland-Vorkommen sind heute erloschen.

Die Flügeloberseite zeigt ein hell- und dunkeloranges Schachbrettmuster. Im Alpenbereich findet man eine kleinere, dunklere Gebirgsform. Der Falter nutzt eine Vielzahl an Pflanzen als Nahrungsquelle. Als Futterpflanze wird in überwiegenden Fällen der Teufelsabbiss genutzt und in trockenen Habitaten die Tauben-Skabiose. 

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Braunbär

(Ursus arctos)

Aus den letzten 10 Jahren gibt es im Natura 2000 Gebiet 4 gesicherte Nachweise in Form von Losungen bzw. Fährten. Nachweise aus der Umgebung gibt es etliche mehr. 

In unseren Breiten sind Bären ausschließlich Waldbewohner, die größere, zusammenhängende Waldgebiete bevorzugen. Der Braunbär ernährt sich überwiegend von Früchten, Beeren, Samen, Nüsse, Wurzeln, Gras, Insekten oder Aas. Nur selten reisst er Wild oder landwirtschaftliche Nutztiere.

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Alpenbock (Rosalia alpina)

Die Verbreitung des Alpenbocks im Natura 2000-Gebiet Wolayersee und Umgebung ist eng an das Vorhandensein der Rotbuche gebunden.

Der Alpenbock ist mit bis zu 38 mm Körperlänge ein großer heimischer Bockkäfer. Bockkäfer sind durch ihre langen Fühler gekennzeichnet, die oft länger sind als der Körper. Seine Farbenpracht macht ihn auch für den Laien unverkennbar. Die Fühler der Weibchen sind etwa körperlang, wohingegen die Fühler der Männchen deutlich über deren Hinterleib hinausragen. 

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Frauenschuh (Cypripedium calceolus)

Der Frauenschuh ist eine der prächtigsten wildwachsenden Orchideenarten Europas und steht in allen Ländern nach FFH-Richtlinie Anhang II unter Schutz.

Er ist eine sogennante Kesselfallenblume, die seine potenziellen Bestäuber sowohl mit seiner Farbgebung, seiner Blüttenhülle als auch mit seinem aprikosenähnlichen Duft anlockt. Insekten wie z. B. Sandbienen fallen bei der Nahrungssuche in den Kessel.  Aus dem Kessel gibt es nur eine Engstelle als Ausweg. Hier wird dem Insekt der Pollen angeheftet.

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Alpen-Mannstreu (Eryngium alpinum)

Die Alpen-Mannstreu ist die einzige nach der FFH-Richtlinie geschützte Gefäßpflanze, die auf Almweiden vorkommt. In Österreich beschränkt sich ihr Vorkommen auf das Rätikon (V) und auf wenige Stellen in den Karnischen Alpen (K). 

Andere deutsche Namen für die Alpen-Mannstreu wie: „Blaue Distel“, Donardistel oder Edeldistel sind ein Hinweis dafür, dass die Pflanze oft mit „Disteln“ (Familie Korbblütler) verwechselt wird. Die dornige Doldenhülle  schließt  sich bei kühler Witterung und Sonnenuntergang und wehrt Schnecken, Raupen und das Weidevieh ab.

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Luchs

(Lynx Lynx)

Aus den letzten zehn Jahren gibt es keine örtlichen Nachweise des Luchses im Schutzgebiet Wolayersee. Regelmäßige Nachweise beschränken sich auf die italienische Seite, jedoch ist die Annahme hoch, dass die Karnischen Alpen ein prinzipielles Streifgebiet des Luchses darstellen. 

Charakteristisches Merkmal des Luchses sind die bis zu 4 cm langen Haarbüschel („Pinsel“) auf den Ohren. Luchse sind reine Fleischfresser. Ihre Hauptbeute bilden die kleineren Schalenwildarten Reh- und Gämse.

FFH-Lebensraumtypen im Natura 2000 Gebiet Wolayersee

 

Wesentliches Ziel der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) ist die Erhaltung und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt. Dieses Ziel soll mit dem Aufbau des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 erreicht werden. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, Gebiete zu nennen, zu erhalten und zu entwickeln, in denen Arten und Lebensräume von europaweiter Bedeutung vorkommen. Der Anhang I der FFH-Richtlinie listet 209 natürliche Lebensraumtypen von gemeinschaftlichem Interesse auf. Für die Erhaltung dieser Lebensraumtypen müssen Schutzgebiete ausgewiesen werden. In Österreich sind 65 Lebensraumtypen des Anhang I der FFH-Richtlinie vertreten. 15 davon findet man im Natura 2000 Gebiet Wolayersee!

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Schutt, Fels und Gletscher

Die Fels- und Schuttlebensräume nehmen mit über 40% den größten Anteil der geschützten Lebensräume im Natura 2000 Gebiet Wolayersee ein. Die Gesteinsart entscheidet, welche Pflanzenarten sich hier ansiedeln. Silikat gebundene Arten sind hauptsächlich auf den Fels- und Gipfelregionen zu finden. Sonst dominieren Pflanzengesellschaften auf Kalkgestein.

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Feuchtstandorte

Die Lebensräume wie Hochstaudenfluren und das Niedermoor sind auf feuchten bzw. nassen Standorten zu finden. Während sich die Bestände von Niedermooren aus niedrigwüchsigen Gräsern, Kräutern und Moosen aufbauen, sind bei den Hochstaudenfluren hochwüchsige Arten wie z.B. Eisenhut, Alpendost und Gämswurz bestandsbildend.

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Natürliche Rasen

 Magerweiden

Es ist ein Wechselspiel von diversen Kalkgesteinen und silikatischem Gestein, welches eine Vielfalt von Lebensräumen ermöglicht. Die Kalkrasen wachsen auf basenreichen Böden und haben eine Reihe von Kalkzeigern wie dem Wundklee, der Alpenaster oder dem Alpenmaßlieb gemeinsam. Lebensräume wie der säureliebende Bürstlingrasen sind in Österreich häufiger, jedoch europaweit betrachtet sehr selten und gefährdet. Der dritte geschützte Lebensraum umfasst vorallem die Krummseggenrasen, die auch im Sommer mit ihrer von Vegetation geprägten olivebraunen Farbe ein „herbstliches Bild“ erzeugt.

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Wälder und Gebüsche

Buchenwälder sind vorallem auf der Valentinalm der prägende Waldtyp. Im Unterschied zu den im Tal wachsenden Buchen sind die Wuchsformen der Buche in höheren Lagen niedrigwüchsig, krüppelig und strauchförmig. Der Verbreitungsschwerpunkt der Lärchenwälder liegt im Bereich der Oberen und Unteren Wolayeralm. An den Standorten mit weniger menschlichem Einfluss kann auch die Zirbe dominierent auftreten. Naturnahe Fichtenwälder sind vor allem auf der Wolayeralm und der Judengrasalm typisch.

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Zwergsträucher und Gebüsche

Zwergstrauchheiden sind besonders im Frühsommer durch die rosa Blütenpracht der Alpenrose gut erkennbar und Hingucker sowie Fotomotiv vieler Wanderer. Beigemengt findet sich die Alpenrose auch in Steilhängen zwischen den Latschengebüschen. Die niederwüchsige Kiefer findet sich dort  wo regelmäßig Lawinen abgehen und eine Bewaldung unmöglich ist.

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